Roraima

8 05 2012
Mutter macht Arepa

Mutter macht Arepa

Negrita

Negrita

Rucksack meines Guides

Rucksack meines Guides

Pemonen-Behausungen

Pemonen-Behausungen

San Francisco:

Die Preise in San Francisco warfen mich etwas aus der Bahn. Von einigen Venezuela-Reisen hatte ich davon gehört wie günstig es sei. Und dann kam ich da an und man verlangte von mir 2600VEF (325CHF) für eine 5tägige Roraimabesteigung, wobei Essen, Zelt und Schlafsack noch nicht inbegriffen war. Dazu kamen nochmals 800VEZ (100CHF) für eine einstündige Autofahrt zum Ausgangspunkt des Trekks! Das machte einen Durchschnitt von 85CHF pro Tag plus Extrakosten und eine Nacht im Hotel. Das sprengte mein Budget und zerstörte meine Hoffnung, in Venezuela endlich ein bisschen Geld sparen zu können. Ich konnte den Preis enorm runterhandeln (1100VEF) aber dann bekam ich nochmals einen Schock bei den Essenspreisen: ich ging mit meinem Guide das Essen für die folgenden 5 Tage einkaufen. Es gab keine Gemüse und keine Früchte, nur Pasta, Brot, Tuna und Suppenpäckchen. Für das essen gab ich nochmals 300VEF aus und dazu noch Zelt, Schlafsack und Kocher für weitere 200VEF. Unterwegs mussten wir bei einem „Camping“ noch weitere 100VEF bezahlen und 100VEF als Trinkgeld für meinen Guide am Schluss des Trips plus 1 Nacht im Hotel. Das macht im total einen Tagesdurchschnitt von 47.5 CHF. Ganz okay 🙂

Allerdings kam mit diesen Preisen mein nächstes Problem angesegelt: ich hatte bloss 100Dollars gewechselt, also musste ich jemanden in San Francisco finden. Das war eine Herausforderung. Ich wandelte bestimmt eine Stunde durch die Gemeinde und fragte jeden dritten Menschen, dem ich begegnete. Nun, schliesslich fand ich jemanden und mein Problem war gelöst. Auch die Zeit war ein Ding für sich: ich war am nächsten Morgen überzeugt, dass in San Francisco alle Uhren falsch gingen, denn als ich um halb 6 auf meinen Guide wartete, meinte sein Vater, ich sei eine halbe Stunde zu früh! Eine HALBE Stunde?? Haha, das war nun aber wirklich nicht möglich! Der Vater meinte dann sogar, ich sei so dämlich, dass ich nicht wisse, dass zwischen der Schweiz und Venezuela ein Zeitunterschied bestehe. Wie ich später erfuhr, hatte Venezuela seinen ganz eigenen Kopf: Venezuela hielt sich nicht an die Normalität sondern hatte als Extrawurst eine HALBE Stunde Zeitunterschied zum Rest der Welt!!! Ich konnte es kaum fassen und lachte mich kaputt.

Die wunderhübsche, abgemagerte Hündin, folgte uns Stunden

Die wunderhübsche, abgemagerte Hündin, folgte uns Stunden

das war erst der Anfang :-D

das war erst der Anfang 😀

Ameisen-Schloss-Eingang

Ameisen-Schloss-Eingang

1. Tag:

Als ich am nächsten Morgen auf meinen Guide wartete, kochte mir dessen Mutter einen echt guten Kaffee, während ich den Geschichten des Vaters lauschte. Er stellte mir hoch stolz das Buch über SEINE Vorfahren vor, das 2011 von der Regierung recherchiert und gedruckt worden war. Es behandelt die Geschichte der Pemones, bzw. des Stammes Taurepanes, wie sie früher gelebt hatten, wo sich ihre Siedlungen befunden hatten, was ihre traditionelle Ernährung war; nämlich hauptsächlich der Moriche-Palmen-Wurm und andere Bestandteile dieses Baumes. Es war spannend ihm zuzuhören, auch als er gewissermassen über die neue Entwicklung ablästerte: die neue Generation seien keine echten Indianer mehr, sie kennen nur das moderne Leben und wollen studieren und die Gemeinde verlassen, anstatt für die Gemeinde zu arbeiten, indem sie zum Beispiel Ackerbau betrieben oder Kunsthandwerk erlernten… Eine weitere lustige Ansicht des alten Mannes, der in meinen Augen stark seine Kultur verkörperte: als ich bemerkte, dass ihr Hund grosse Angst vor mir hatte meinte er: „Ja, du bist eben weiss, und die Hündin heisst Negrita (Schwarze), daher hat sie Angst vor dir…“ Naja, ich hoffte, er würde diesen Satz gleich als Witz erklären, aber er meinte es todernst…

Die Fahrt nach Paraitepui war interessant: ich bekam erste Eindrücke der venezuelanischen Landschaft, die mir deutlich mehr imponierte als die brasilianische – soviel konnte ich gleich sagen. Es waren Weiten, wie mein Auge sie vermisst hatten. Auch hatte ich ein Gespräch mit meiner Fahrerin: Sie hatte ihren Mann am 5.März dieses Jahres verloren (der Tod ist eben überall, nicht wahr?), sie hatte seither seine Arbeit vollständig übernommen. Sie warnte mich mehrfach vor der Gefährlichkeit Venezuelas und meinte, ich solle auf keinen Fall alleine in die Städte reisen. Noch so eine paranoide Ansicht… Sie bot mir an, mich nach dem Trekk mit in die nächste grosse Stadt mitzunehmen, aber ich vermutete wage einen Preis dahinter… Als das Thema dann auf die Schweiz fiel und ihr erster Satz darüber ungefähr so lautete „Da ist alles voll Schnee, oder? Alles weiss, nicht? Das ist ja furchtbar langweilig! Kein Wunder dass du abhaust!“ begann ich doch tatsächlich, die Schweiz zu verteidigen! Ich versuchte ihr beizubringen, dass Schnee sehr schön aussieht, wunderschön, und dass ein Land nicht wegen Schnee schlecht ist… Ich versuchte ihr zu sagen, dass es mir um etwas ganz anderes ging, wenn ich ein Land bewertete, die Kälte, die Menschen, blabla. Aber bald gab ich es auf und nickte nur noch.

Die meisten Worte die mein Guide am ersten Tag verlauten liess, lauteten „Hacemos un descanso?“. Viel zu oft fragte er dies für meinen Geschmack! Er rannte und wollte dann hundert Pausen einlegen. Ich wollte lieber gemächlich und ohne Pausen vorwärtskommen, schien mir weitaus schonender, vor allem für meine Füsse… Naja, er überraschte mich bei einer grösseren Pause dann doch sehr positiv: er hatte als Überraschung Poulet und Casaba (hiesiges Indianerbrot) mitgebracht! Dazu assen wir gekochte Eier und tranken Pulversaft von Graviola. Er erzählte mir bald, dass er eigentlich hatte Agronomie studieren wollen, aber da der Bus nach Santa Elena nicht früh genug fuhr, hätte er immer ein Taxi nehmen müssen, und das wäre schlicht und eifach untragbar gewesen. Also hatte er angefangen, als Träger und Tourguide zu arbeiten. In den letzten zwei Jahren allerdings hätte er in den Minen gearbeitet. Dies sei nun also seine insgesamt 18. aber 1. Besteigung seit 2 Jahren.

Es schüttete ab der Mitte des Weges fast konstant, was den Boden wahnsinnig schlipfrig machte. Schon bald krachte ich auch schon das erste Mal zu Boden, landete glücklicherweise nicht sehr schmerzhaft. Eine gebrochene Hüfte hätte mir gerade noch gefehlt! Dann war da die üble Plage der sogenannten Puri-Puri! Meine Beschreibung: elende blutsaugende respektlose durch und durch böse Teufelsbiester!!! Offizielle Beschreibung: winzige Fliegen die sich von Blut ernähren und blutende Löchlein als Bisse hinterlassen.

Im ersten Camp genannt Rio Tek kamen wir nach ca. 5h an. Meine Füsse waren total erschöpft, aber insgesamt war ich mit dem Schwierigkeitsgrad extrem zufrieden. So würde ich 5 Tage bestimmt ohne viel Jammern und mit nur wenig Blatern überstehen. Wir kochten uns Pasta und öffneten dazu ein Glas Bolognese. Da kam eine kleine Gruppe vom Roraima herunter. Es waren zwei Japaner (die ich zuerst beide für Frauen hielt, eine davon war aber ein total abgemagerter Mann), ein schweigsamer Brasilianer und der Guide. Dazu noch ein paar Venezuelaner die sich komplett von unserem gemeinsamen Tisch fernhielten. Ich redete recht viel mit der Japanerin, sie war mir echt sympathisch (auch wenn das „Darf ich ein Foto mit dir machen?“ nicht fehlte), sie reiste insgesamt ein Jahr in Lateinamerika herum, ging als nächstes nach Brasilien. Sie schienen beide ziemlich taff zu sein; hatten um Geld zu sparen die ganzen 7 Tage nur Brot und Tunfisch gegessen! Deshalb also so dünn… Ich wäre schon längst kollabiert, sowohl körperlich als auch mental! Der abgemagerte Japaner ass am Ende wie ein Wolf unsere Pasta-Reste, die wir ihm anboten…

Übrigens zur Tour: Normale Geschwindigkeit ist 7 Tage, allerdings können es die wirklich fitten auch in 4 Tagen machen. Allerdings kann man dann gerade mal hoch um sofort wieder runter zu sprinten. 5 Tage ist immer noch schnell, aber man kann auf dem Top des Roraimas die Welt etwas erkunden, genauso 6. Ab 7 Tagen aufwärts bleibt man dann länger auf dem Top, geht vielleicht bis zum Dreiländereck (Guyana, Brasilien, Venezuela) oder besteigt den höchsten Punkt des Roraimas 2810 m.ü.M.

Casaba-Poulet-Überraschung

Casaba-Poulet-Überraschung

der erste Blick auf Roraima

der erste Blick auf Roraima

Nachbartafelberg Kukenan

Nachbartafelberg Kukenan

Flussüberquerung Nr.2

Flussüberquerung Nr.2

Flussüberquerung gegen Ende

Flussüberquerung gegen Ende

die wunderliche Welt auf dem Roraima

die wunderliche Welt auf dem Roraima

als wäre hier ein Geometriker am Werk gewesen

als wäre hier ein Geometriker am Werk gewesen

Wie mein Guide sagt: wie von Gotteshand wahllos hingelegt...

Wie mein Guide sagt: wie von Gotteshand wahllos hingelegt...

Quarzkristalle wo man hinschaut

Quarzkristalle wo man hinschaut

2. Tag:

Jeder Tag ging gut aus, aber er brachte auch immer eine neue Herausforderung mit sich. Wenn es am ersten Tag die Qual der Wahl zwischen schneidenden Grashalmen oder auf hochrutschigem Schlamm zu gehen, so war es am zweiten Tag die höchste Plage der Puri-Puris! Ich trug Shorts und schon am Morgen beim Geschirrwäschen am Fluss hatten sie mir den gesamten Rücken vollkommen verstochen! Sie trugen dazu bei, dass ich an diesem Tag eine etwa einstündige Strecke alleine und in relativ hohem Tempo zurücklegte. Als das „Rucksacktragband“ meines Guides gerissen war und ich ihm nicht weiter helfen konnte, ging ich alleine voraus. Da ich in ein zirpendes und summendes Gebiet kam, wo es von allen möglichen Insekten nur so wimmelte, lief ich immer schneller den Berg hinauf. Erst als ich in ein Gebiet kam, wo ein kühler Wind wehte machte ich Halt und wartete etwa 20min auf meinen Guide. Er wollte eine lange Pause machen, ich nicht, so ging ich eine weitere Stunde alleine voraus, durch Sumpf und Moor, wo ich mich ein bisschen veriirte und einen Berg im 80-Grad-Winkel hinauf. Danach gingen wir bis zum zweiten Camp genannt Base gemeinsam weiter. Es ging die letzte Stunde nur noch im 80-Grad-Winkel den Berg hinauf. Wir kamen dem Roraima näher…

Übrigens traf ich auf dem Weg noch einen Japaner, den ich in Belem kennengelernt hatte, was für ein Zufall. Und wir überquerten relativ am Anfang des Tages zwei Flüsse, der zweite davon war recht gefährlich… So kamen wir im Camp mit nassen, sumpfgetränkten Füssen und mit fast explodierenden Lungen an. Mein Guide erzählte mir beim Essen von seiner ersten Besteigung, wie er praktisch hinauf gerannt sei (als Träger an der Seite seines Bruders und Onkels), oben angekommen sei ihm dann urplötzlich schlecht geworden, weil er dem heiligen Berg so wenig Respekt gezollt hatte, ihn nicht als heilig anerkannt. Aber oben sei er von seiner Heiligkeit überrumpelt worden. Als er dann ein paar Tage später nach Hause kam, wurde er richtig schwer krank. Die Eltern vermuteten böse Geister, so holten sie die Geister-Magierin, seine Grossmutter. Diese schüttelte über den Enkel nur den Kopf und tadelte ihn für seine fehlende Ehrfurcht. Sie heilte ihn schliesslich mit Kerzen und Rauchkräutern… Als er mit der Geschichte endete, wurde MIR übel! Ich finde solche Gutenachtgeschichten ja schön und gut, aber wenn leute an dieses Gefasel glauben, macht mich das wörtlich krank! Zudem entdeckte ich,dass ich das Indianerbrot Casaba nicht ertrug und vermutlich auch eine milde Allergie gegen Goiaba hatte. Ich rannte nämlich den ganzen Nachmittag und Abend ins Gebüsch, um meinem Durchfall freien Lauf zu lassen.

Einige Stunden später, als wir schon längst im eiskalten Wasser „gebadet“ und unser Lager eingerichtet hatten, erklommen zwei weitere Touristen mit einem Guide todmüde das Camp. Sie sprachen Französisch, allerdings – wie sich später herausstellte – auch Deutsch und Englisch und Spanisch. Wir redeten bis spät in die Nacht hinein, dazu in einem späteren Artikel mehr.

Grabmal: ein überlasteter Träger vielleicht?

Grabmal: ein überlasteter Träger vielleicht?

3. Tag:

Der dritte Tag war ein reines Lungenexplodieren… Zu Anfang machte ich nach jedem fünften Schritt eine Pause, in der ich hechelnd und mit heraushängender Zunge dastand (echt)! Es war komplett neblig und meine Knie begannen zu schmerzen. Zudem hatte ich vom letzten Tag schon an jedem Fuss ein paar Blatern. Nach der Hälfte überkam mich wieder eine ungeheure Motivation, sodass ich meinem Guide vorauseilte und die andere Gruppe überholte. Bei der Unterquerung des Wasserfalls ereilte mich ein neuer Motivationsschub. Ich wusste, jetzt fehlte nur noch eine Stunde. Auf dem Top kam ich alleine an, in vollkommener Stille und in Nebel eingehüllt. Es hatte tatsächlich sehr viel mit einer aus der Vorstellung entsprungenen Urwelt gemeinsam. Man sah kaum 5Meter weit… Mein Guide kam nach ca. 20Minuten auch an, sein „Rucksackbendel“ war wieder gerissen. Noch 10 Minuten über Stock und Stein, die ich nur noch sehr mühsam hinter mich brachte. Dann kochten wir uns eine Suppe, um unsere durchgefrohrenen Körper aufzuwärmen. Danach begann es so stark zu regnen, dass ich entschied, die Roraima-Top-Expedition auf den nächsten Morgen zu verschieben, FALLS es nicht in Strömen regnen würde. Ich wusste, der Abstieg würde der härteste Teil für mich werden, da ich – wie ich bei der Chapada Diamantina Wanderung – dieselben nichtsnutzigen Knie wie meine Mutterr hatte. Und schon an diesem letzten Tag waren meine Knie arg mitgenommen, das linke Knie war schon angeschwollen. Zudem vervielfachten sich meine Blatern zusehends.

Mit meinem Guide war ich halb halb zufrieden. Ich denke für den Preis, den ich schlussendlich bezahlte, war er top. Es war super einfach, mit ihm umzugehen. Er war kein komplexer, komplizierter, gebildeter Mensch, nein, er war einfach nur simpel und machohaft mit liebem Herz. Er konnte mir rein gar nichts über irgendwelche Pflanzen oder sonstigen natürlichen Wunder auf dem Roraima erzählen, nicht einmal zeigen konnte er sie mir, ich entdeckte alles auf eigene Faust. Dafür aber bot er mir einen kleinen Einblick in seine Welt, die eine Kollision zwischen der modernen Welt und der brauchsreichen Indianerwelt war. Ich lernte seine Denkweise kennen: anstatt sich wie ich darüber zu ärgern, dass es in San Francisco nicht – aber auch wirklich rein gar nichts – Gesundes zu essen gab und somit der ganze Trip aus Junkfood bestand, meinte er schlicht „So muss es ebe genau sein! So ungesund, so ist es eben richtig für diese Wanderung!“. Ich fand diese Einstellung irgendwo recht cool: es war die Art Mensch, die sich einfach mit allem abfinden konnte, komme was wolle! Da war auch sein dauerhaftes machohaftes Gehabe mit reichlich Übertreibung in jeder seiner Geschichten, das mich mit der Zeit doch zu ärgern begann. Beispiel: „Weisst du, wenn man dem Ameisenbär den Schwanz abschneidet, dann bäumt er sich auf und rennt davon! Sieh mal, genau so (imitiert)! Weisst du, ich habe das nämlich einmal mit meinem Bruder gemacht! Wir haben zuerst mit dem Ameisenbär gespielt, ihn gezeukelt bis er aggressiv wurde und auf uns losging. Aber wir hatten ja keine Angst, und dann waaaaaaaff schnitt mein Bruder ihm den Schwanz ab!!! Wir waren schon ein bisschen verrückt…“ Ja, da hab ich ihm irgendwann gesagt, er solle sich in Zukunft überlegen, ob ihm das gefallen würde. Und einst wollte er einen Hund kicken, weil er mir mein Essen wegschnappen wollte. Darauf erwiderte ich, dass ich ihn schlagen würde, wenn er den Hund anfasst. Naja, hört sich ja fast schon an, als wäre ich zu einem Schläger muttiert, auf jeden Fall sind in Venezuela schon einige solche Szenen aufgetaucht, die mich in der Meinung bestärken, dass mir Tiere sehr sehr wichtig sind und dass ich Veterinär studieren sollte…

Blater Nr. X

Blater Nr. X

hmpf!

hmpf!

einfach bombastisch - geschwollen

einfach bombastisch - geschwollen

Njammii, Blater UNTEN am Fuss

Njammii, Blater UNTEN am Fuss

geschwollener Knöchel

geschwollener Knöchel an geschwollenem Bein 😛

verstochene Schienbeine

verstochene Schienbeine

Detailansicht aus der Vogelperspektive eines Puri-Puri-Bisses

Detailansicht aus der Vogelperspektive eines Puri-Puri-Bisses

Puri-Puri Teufelsbiester

Puri-Puri Teufelsbiester

4. Tag:

Um 5 liefen wir los, um die Oberfläche des Roraimas zu erkundigen: es gab 3 Attraktionen die in etwas mehr als 2h zu sehen waren: Jacuzzi (eiskalte, glasklare Wasserbecken mitten in der steinigen Landschaft), dann der Aussichtspunkt, bei dem man am Rande des Roraimas stand und die Hälfte des Tafelberges sichten konnte, wenn man mit dem Wetter Glück hatte. Und zum Schluss „la Ventana“ (das Fenster): ein Stein der hoch gefährlich lag und man konnte unter ihm hindurch ins 1000m tiefer liegende Tal blicken. Man hatte dazu eine Aussicht auf die ganze Nachbarschaft an Tafelbergen. Faszinierend, imposant, majestätisch, atemberaubend!

Danach kehrten wir in unser Camp zurück, frittierten Arepa (venezuelanische Spezialität, ganz einfach zu präparien, werde ich bei meiner Rückkehr zubereiten:), dann gings los: auf in die Hölle! Der Plan war bis zum ersten Camp zu kommen, also das waren Tag 2 und 3 in einem und beide davon waren steil wie Kletterwände! Ich hatte mir alles Jammern für diesen Tag aufgespart, aber als dann die ersten richtigen Schmerzen einsetzten, raubten sie mir die Sprache. Ich kann einige Details nennen: an einem Fuss hatte ich am Ende des Tages 9 offene Blatern, am anderen 3 offene und 4 geschlossene, die ich sogleich aufschnitt. Das linke Fussgelenk war schmerzhaft bei jedem Schritt, vermutlich angestaucht. Mein rechtes Hüftgelenk tat beim Aufwärtsgehen so weh, dass ich nur seitwärts, ein Bein hinterherziehen gehen konnte. Die Knie waren beide komplett geschwollen, trotz meiner weise angeschafften Knieschoner. Und nun ein Detail, das echt gruusig ist (lies dies bitte nicht, wenn du dich nicht ab mir ekeln willst!): meine Knie schmerzten so sehr und meine Blase konnte kaum die vielen Getränke zurückhalten, dass ich beim Pinkeln nicht in die Knie gehen konnte und so des Öfteren meine Unterhosen und Hosen vollpinkelte. Danach ging ich jedes mal 20 Minuten den 5minütigen Weg zum Fluss auf und ab, um meine Kleider so gut es ging zu säubern. Es stank allerdings sowieso alles bis in den Himmel und trocknen tat so oder so nichts…

la Ventana

la Ventana

unbeschreibliche Aussicht auf den bestiegenen Roraima...

unbeschreibliche Aussicht auf den bestiegenen Roraima...

berechtigt sagenumwoben und von den Pemones verehrt

berechtigt sagenumwoben und von den Pemones verehrt

der Abgrund zu Füssen

der Abgrund zu Füssen

Jacuzzi

Jacuzzi

Aussichtspunkt: das Tal der Tafelberge

Aussichtspunkt: das Tal der Tafelberge

haust da vielleicht ein Dino um die Ecke?

haust da vielleicht ein Dino um die Ecke?

da sind wir heute runter gekommen...

da sind wir heute runter gekommen...

Kukenan, der kleine Nachbar des Roraimas

Kukenan, der kleine Nachbar des Roraimas

Mein Guide beim Abstieg

Mein Guide beim Abstieg

5. Tag:

Ich wusste nicht, wie ich diesen bewältigen sollte! Da ich am letzten Abend FIX UND FOXI im Camp angekommen war, hatte ich vor lauter Erschöpftheit nicht mehr gedehnt, was ich sonst jeden einzelnen Morgen, Mittag und Abend gemacht hatte (eine Lektion von Anna). So hatte ich nun zusätzlich zu all den Leiden noch höllischen Muskelkater! Ich ging wie ein verkrüppelter Pinguin oder ein steifer Flamingo… Ach übrigens hatte ich am letzten Abend doch tatsächlich in meinem Zeit geweint. Grund dafür war aber nicht hauptsächtlich die Erschöpfung sondern: all meine Zeichnungen waren durch den stetigen Regen und die Flussüberquerungen zerstört worden! Ich hatte von den meisten zum Glück noch Fotos, trotzdem, eine ganze Menge Arbeit und Liebe war vernichtet…

Wir gingen sehr spät vom Rio Tek Camp los, so spät dass uns sogar das französisch sprechende Paar überholte. Allerdings trafen wir sie in der Mitte des Weges wieder, danach sahen wir sie er wieder nach uns geschunden in Paraitepui ankommen. Mein Guide trug mich unglaublich gentleman-like bei über ein Sumpfgebiet, da ich sonst vermutlich noch ein paar Blatern mehr hätte verzeichnen können… Insgesamt gingen wir unglaublich langsam voran, es gab nur zwei komplex begrenzte Arten von Weg, auf denen ich einigermassen „schnell“ voran kam, der ganze Rest, und das war leider etwa 80% des Weges war purer Schmerz! Irgendwann sichteten wir sogar einen Ameisenbär, der viel viel grösser war, als ich mir das je ausgemalt hatte!

Schlussendlich kamen wir dem Tode nahe (um es noch dramatischer zu machen) in Paraitepui an, ich entledigte mich als erstes meiner Tevas und Socken, danach warf ich den Kocher an. Ich hatte Heisshunger! 😀

Von Paraitepui holte uns die Frau wieder mit ihrem 4Radantrieb ab und raste den Berg hinunter bis nach San Francisco.

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